Gedichte


ERSPÜREN UND ANNEHMEN

Foto: Sonja Schäfer
Foto: Sonja Schäfer

Ich hätte mir gewünscht,

dass du nachfragst.

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du mir Raum gibst, mich zu erklären.

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du mir zuhörst.

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du hinter mir stehst.

 

Ich hätte mir gewünscht, 

dass du an meinem Wohlergehen interessiert bist. 

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du meinem Schmerz nicht aus dem Weg gehst.

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du mich konfrontierst. 

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du mir sagst, was genau dich stört. 

 

Ich hätte mir gewünscht, 

dass du fürsorglich und liebevoll auf mich eingehst.

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du mich achtest.

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du mit mir redest, anstatt über mich zu reden.

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du fair bist.

 

Ich hätte mir gewünscht,

dass du in Reichweite bleibst. 

 

Das alles warst du nicht und hast du nicht getan,

hast aufgrund deiner fehlenden Empathiefähigkeit

und deines mangelnden Taktgefühls sogar nachgetreten,

wenn ich hilflos am Boden lag

und hast dich nicht entschuldigt, 

eine Entschuldigung noch nicht einmal in Erwägung gezogen,

weil du mich für deine Unzulänglichkeit verantwortlich gemacht hast.

 

Folglich gibt es nicht zuletzt wegen dir diese unzähligen Texte,

die mich stark machen sollen,

die mir sagen sollen,

dass es auch ohne dich geht,

ICH diejenige bin, die mich trägt.

 

All meine Erkenntnisse habe ich nun als Stärkung im Rücken,

wenn ich dir und deines Gleichen das nächste Mal gegenüberstehe,

sodass ich nicht mehr das Gefühl habe,

Gerechtigkeit einfordern zu müssen,

euch auf meine Seite ziehen zu müssen,

weil ich mich selber auf meine Seite gezogen habe,

indem ich meine Seele auf die Erde gebracht habe

aus eigener Kraft

und in diesem Moment der Klarheit spüre ich meine Freiheit,

meine  Vitalität und meine menschliche Qualität,

die jetzt gelebt werden will,

mich begleiten, mich beschützen,

mich weiterbringen, mich zur Ruhe kommen lassen will

und jedes einmal dagewesene Talent freischalten will, 

sodass ich in Frieden aufsteigen kann,

während ich verwurzelt bin mit der Erde, die mich trägt und hält.  

 

Ich konzentriere mich darauf, 

dich und jeden anderen Menschen so zu behandeln, 

wie ich es mir von euch wünsche.

 

Das erscheint mir ein guter Anfang und ein guter Weg.