Übereinkunft


ERSPÜREN UND ANNEHMEN

Foto: Sonja Schäfer
Foto: Sonja Schäfer

Ich denke nach über diese Begegnung,

die mir nicht aus dem Kopf geht,

weil sie noch nicht geschrieben steht,

mir unter die Haut geht

und mich anfleht,

weil ich das Gefühl habe,

dass sie wichtig für meine Zukunft sein wird,

dass sie entscheidend sein wird,

weil sie der Grundpfeiler meines Neuanfangs ist

und doch sowas von unbedeutend.

 

Was würde ich dir wohl sagen,

wenn du plötzlich vor mir stehst?

Wie würdest du reagieren,

wenn du direkt an mir vorbeigehst?

Würdest du mich ansprechen,

würdest du mir mit deiner Reaktion das Herz brechen?

Könnte ich dir in die Augen sehen?

Würdest du dich wegdrehen

oder würdest du mich ansehen?

Würde ich dich anlächeln,

würdest du mich anlächeln?

Würden wir uns die Hand geben,

würden wir uns umarmen,

ja, vielleicht sogar um den Hals fallen?

 

Wahrscheinlich gar nichts,

weil wir ja nicht wollen,

dass wir mit unseren Gefühlen auffallen,

weil sie uns peinlich sind,

weil wir nicht in der Lage sind,

ehrlich zu uns zu sein,

ICH und DU zu sein,

DU und ICH zu sein,

frei und gleich zu sein,

uns lieb und teuer zu sein,

schon gar nicht vor ihr,

schon gar nicht vor ihm,

schon gar nicht vor ihnen, 

schon gar nicht vor uns.

 

Wenn ich darüber nachdenke,

finde ich das schade,

weil ich so niemals war,

es mir habe aufzwingen lassen,

so zu sein:

verschlossen,

gefühlsträge,

meinen wahren Gefühlen verdrossen.

 

Also, wie reagiere ich?

Was tue ich?

Zeige ich mich?

 

Ich führe mir vor Augen,

dass ich gar nichts muss,

dass ich die Vibes für mich entscheiden lasse

und dann alles weitere veranlasse,

völlig entspannt und losgelöst,

ganz einfach,

weil ich nichts zu verlieren habe,

am Ende ja noch mich und mein ehrliches Gefühl habe,

das aufrichtiger nicht sein könnte,

das einfach nur da ist und die Wahrheit ist,

weil es für mich alleine in mir entstanden ist

ohne Fremdeinwirkung,

ohne künstliches Zutun.

 

Das war und bin ich

und werde ich auch nach dieser Begegnung sein,

weil ich weiß, wer ich bin,

dass ich ein guter Mensch bin

und das bin ich auch noch nach dieser Begegnung,

egal, wie du reagiert hast,

was du mir entzogen hast

oder was du mir aufgebrummt hast.

 

Ich werde alles in Sekundenschnelle neutralisieren,

für mich relativieren,

brauche mich nicht revanchieren,

weil ich das nicht nötig habe,

nichts nachzuholen und nichts aufzuholen habe,

ein gutes Gefühl bei der Sache habe,

weil ich mich selbst lieb habe,

sodass nicht einmal du mir ein schlechtes Gefühl verleihen kannst,

weil auch du nur noch mit meiner

bedingungslosen Selbstannahme in Berührung kommst

und vielleicht auch du dadurch aus deinem Gefängnis,

deinem Karussell, deinem Nebel,

sprich deinem Kummer, deinem Selbsthass,

deiner Unsicherheit, deiner Einsamkeit herauskommst.


Schade, dass du nicht merkst,

dass dich dein Gefängnis unglücklich sein lässt,

dass es dich unfrei sein lässt,

dass es dich müde sein lässt.

 

Kurz um, lass dich auf ehrliches Gefühl ein,

sodass du deinen inneren Kontrabass endlich anstimmen kannst,

auf deinen Seelenton,

ein Teil deiner ist er doch schon.

 

Kurz um, lass dich auf ehrliches Gefühl ein,

dann können wir zusammen DU und ICH sein,

ICH und DU sein

und endlich wieder normal sein,

unbekümmert und frei,

als Mensch und Mensch befreundet und zusammen in der Liebe,

weil man Menschen lieben sollte,

weil man sich bei ihnen anlehnen sollte,

weil man sie innig umarmen sollte,

überall und egal vor wem,

also mach's dir bequem

und gleichzeitig nicht zu bequem,

sondern überwinde dein dich einschränkendes Gefühl

und gebe uns beiden ein gutes Gefühl,

denn ich mag dich und ich mag nicht hier unten sein ohne dich.

 

Wozu auch?

Du magst mich doch auch!

 

Und wenn nicht,

dann soll es nicht sein.

 

Dann darf ich nun ohne dich auskommen

und dich aus meinem Kopf kriegen, 

doch in meinem Herzen wirst du bleiben,

dich wird hier niemand vertreiben,

denn ich mag dich,

ich liebe dich

und ich warte auf dich,

egal wie lange,

doch wisse auch,

ich stehe nicht mehr Schlange,

weil ich mir dafür zu schade bin,

zu stolz bin,

zu selbstbewusst geworden bin,

auch ohne dich und das ist gut, 

ein riesen Fortschritt und nicht mehr schade.

 

Komisch oder,

da brauchte es erst dich,

um ohne dich klarkommen zu können.

 

Wahrscheinlich kannst du mir jetzt nicht mehr folgen,

doch ich kann mir noch folgen

und darauf kommt es an.

Ich kann mir noch folgen

und darauf kommt es an!

 

Doch so kann ich mir nicht wirklich folgen,

weil ich das alles nicht verdient habe.

Ich habe es nicht verdient,

dass du dich von mir abgewendet hast,

ich habe es nicht verdient,

dass du mich aus deinem Leben verbannt hast,

ich habe es nicht verdient,

dass du mich nicht mal mehr ansehen kannst,

mich nicht mehr ernst nehmen kannst.

 

Ich habe dir vertraut,

ich habe mein Herz für dich aufgemacht,

ich habe mein Herz nicht wieder zugemacht.

 

Ich habe zu viel gegeben,

viel zu viel

und ich habe mich für dich viel zu weit

aus meiner Komfortzone entfernt,

deswegen habe ich nun das Gefühl,

mir fehlt was,

doch es bist nicht du, der mir fehlt,

sondern meine Würde, meine Selbstbeherrschung,

meine Selbstwahrnehmung und mein Selbstbewusstsein.

 

Alles ist in dem Moment verschwunden,

als du mir deine kalte Schulter gezeigt hast

und das kann‘s nicht sein

und so darf es nicht sein,

also wirst du einfach DU sein

und ich einfach ICH sein,

ganz egal, ob zusammen oder allein,

doch vielleicht sind wir irgendwann wieder WIR,

so wie in dieser Zeit,

die magisch war,

die zugleich irdisch und überirdisch war

und über unsere charakterliche Begrenztheit erhaben,

weil die Liebe stärker als alles Unwegsame war.