Ausnahmezustand


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Bild: Jeanett Rotter
Bild: Jeanett Rotter

Ich muss auch mal depressiv verstimmt sein dürfen

und meine Mitmenschen werden es aushalten müssen,

weil ich keine Kraft habe,

mich für sie zu verstellen,

ihre Gemüter zu erhellen.

 

Es ist mir nicht unangenehm,

mich so zu zeigen,

denn auch ich darf offenkundig leiden.

 

Ein Lächeln kann ich trotzdem schenken,

Freundlichkeit kann ich trotzdem an den Tag legen

und gleichzeitig meine Traurigkeit ausleben.

 

Sie werden es schon verkraften,

auch wenn es für sie ungewohnt ist,

weil Traurigkeit nicht meine Art ist,

doch gerade schon,

deswegen gilt es jetzt diese Seite an mir zu betonen,

damit ich sie überwinden kann,

irgendwann einen Strich darunter ziehen kann.

 

Was sie über mich denken,

muss mir egal sein,

was sie hineininterpretieren,

muss mir egal sein,

denn ihre Auslegung sagt rein gar nichts über mich aus,

holt mich auch nicht hier raus.

 

Ich fange mich auf,

indem ich mich so akzeptiere,

wie ich gerade bin,

auch wenn ich gerade einfach nur traurig und antriebslos bin.

 

Künstliche gute Laune zieht mich nicht hoch,

Aufmunterungsversuche ziehen mich nicht hoch,

echter Humor hingegen hilft mir,

echtes Interesse hilft mir,

echte Zuwendung hilft mir,

echtes Mitgefühl hilft mir

und insbesondere hilft es mir,

wenn sie mir keine Vorwürfe machen,

wenn sie mich so nehmen, wie ich bin,

wenn sie keine Erwartungen haben

und wenn sie kein Problem mit meiner ehrlichen Meinung haben.

 

In meiner derzeitigen Verfassung kann ich nichts beschönigen,

kann nichts in Liebe auflösen

und kann auch keine Missverständnisse aufdröseln.

Jetzt sind sie dran,

mal schauen, wer Verständnis dafür aufbringen kann,

dass ich gerade nicht anders kann.

 

Ich mache mir nicht mehr ihren Kopf,

den müssen sie sich jetzt selbst machen,

was heißt, dass sie auf sich zurückgeworfen werden,

weder von mir unterstützt, noch von mir aufgefangen werden.

 

Wer zu lange verwöhnt und ausgeglichen hat,

der muss sich um sich kümmern dürfen,

muss sich selbst

und seinen Gefühlen Beachtung schenken dürfen

und vielleicht ist dieser Abschnitt meines Lebens

dann schon bald überwunden

und ich kann wieder meine Fröhlichkeit bekunden.